Erleuchtung ist... 1-4




Der Punkt ist also: Ich bin ein Buddha. Vorher suchte ich nach Buddha, nach Erleuchtung.

Das Wort Buddha kann viele Bedeutungen haben. Meistens ist damit die Person des Shakyamuni Buddha gemeint, der ein großer Meister war. Die allgemein bekannte Bedeutung von Buddha ist: „Der, der Erleuchtung gefunden hat.“ Aber es bedeutet auch die Wahrheit. Jeder kann das sagen, sogar ich Dummkopf. Du erinnerst dich: Ich bin verrückt, also kann ich das auch tun. Aber gebrauche nicht deinen Verstand. Wirf deine Vorstellungen und alles weg, was du über die Person Buddha zu wissen glaubst. Denn später wird Buddha‘s Raum jedermanns Raum sein, nicht nur Buddha‘s Raum.

Weil sie diese Vorstellung der Menschen brechen wollen, benutzen viele Zen-Meister für etwas so Heiliges wie Buddha gerne Wörter, die das Gegenteil von heilig bedeuten. So sagen sie zum Beispiel: „Buddha ist Scheiße.“ In unserer Vorstellung ist Buddha solch eine spirituell hochstehende Persönlichkeit. Indem die Zen-Meister das Gegenteil davon zum Ausdruck bringen und Buddha gleichsam auf den Boden herunterbringen und treten, brechen sie unsere Vorstellung. Dadurch können wir nicht im Denken bleiben. Gut oder schlecht. Großer Meister oder Scheiße. Du kannst nicht im Denken bleiben. Das ist so ähnlich wie bei den Müttern, die ja ebenfalls als sakrosankt gelten und auf die sich, glaube ich, überall in der Welt die schlimmsten und übelsten Schimpfworte beziehen.

Glücklicherweise gibt es in unserer Zeit sehr viele Erleuchtete auf der ganzen Welt. Und sie reden alle über dasselbe. Sie sind alle große Meister, jenseits von Religion oder Landesgrenzen. Alle reden vom selben, zeigen auf dasselbe. Die „Zeigenden“ sind verschieden. Sie mögen aus unterschiedlichen Ländern kommen – Korea, Japan, Deutschland, Amerika. Aber sie alle zeigen auf dasselbe. Leere. Dort. Nur: TOCK! Ahh! Das ist der Zweck der Dharma-Rede. Der Zweck ist nicht, wie ein Professor am Pult zu stehen, von einem Buch abzulesen und seinen Zuhörern oder Schülern etwas zu diktieren. Du musst dich an keines meiner Worte erinnern. Mein Englisch ist auch nicht so gut, deshalb rede ich ja die ganze Zeit, hahaha. Du brauchst nichts aufzuschreiben. Du musst dir nicht einmal meinen Namen merken. Ich war in vielen Ländern, und weil mein Name ungewohnt für die Leute war, fragten sie oft: „Wie heißt du?“ Und wenn ich sagte, dass ich keinen Namen habe, war die Antwort oft: „Kein Name? Oh, das ist viel einfacher! Fein!“

Also bitte: Höre bzw. lies diese Dharma-Rede und spüle sie danach hinunter, wie du nach dem Toilettengang den Spülknopf betätigst und es hinunterspülst. Erinnere dich nicht daran. Als wenn du auf einen Berg gehst und schwitzt und ein Windhauch streift plötzlich dein Gesicht. Ahh. Herrlich! Lass es einfach vorbeiziehen. Und dann, eines Tages, wirst du es erfahren.

Wenn du Dharma-Reden zuhörst, würde ich sagen, kannst du nach etwa drei bis sieben Tagen erwachen, aber nur, wenn du dich wirklich, wirklich danach sehnst. Wenn du mich fragst: „Wie kann ich erwachen?“, dann sage ich, sich danach zu sehnen, ist der einzige Weg. Du brauchst nichts zu machen, du musst dich nur wirklich danach sehnen: „Ich will erwachen. Wie nur? Wie? Wie?“ Das ist besser als jedes Singen. Ich sage dir, es gibt keine Antwort, wie das geht. Aber behalte die Sehnsucht danach. Das ist Hwadu. Das ist es, was Zen und Zen-Meister ihren Schülern auftragen: „Ich möchte wirklich wissen, was Shakyamuni Buddha wusste, was er fühlte und was er uns sagen wollte vor 5.000 Jahren.“ Wenn du es wissen willst, halte diesen Wunsch, bleibe sehnsüchtig: „Ich will wirklich wissen, wie ich mich abkoppeln kann.“ Auch abzukoppeln ist falsch. Nur: TOCK! „Ich will es wirklich wissen!“ Das ist alles.

Ich bin ein Buddha. So wie du. Verrückt oder Buddha. Nicht nur ich, jeder. Du kannst wählen. Nachdem du erwachst bist, nachdem du erleuchtet bist, kannst du Fahrrad fahren. Denn es ist wie Fahrrad fahren. Das ist alles. Manchmal wirst du noch zwischen zwei Zuständen schwanken: Buddha – verrückt – Buddha – verrückt. Aber später findest du die Balance. Und dann brauchst du nicht mehr zu Fuß zu gehen, sondern kannst Fahrrad fahren. Und dann öffnest du, wie der Held in dem Film „Titanic“, die Arme und du kannst die Freiheit und den Wind fühlen, so viel du willst. Das ist wahre Freiheit.

Das ist die ganze Wahrheit.


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