Erleuchtung ist... 4-1




4 – Wieso Märchen lehrreich sind

 

Es gibt keine Erleuchtung für Buddha. Das heißt, ich erwachte erst heute. Für mich gibt es kein Erwachen mehr, weil ich schon erwacht bin. Am Morgen. Daher bedeutet es für mich nichts.

Viele Leute denken, das ist zu groß, machen das Wort Erleuchtung zu heilig. Erleuchtung Ist tatsächlich nur ein Moment. Es ist auch nichts Schwieriges. Es gibt keine Erleuchtung. Nur Aufwachen. Deshalb stoßen manche Zen-Meister nur einen Schrei aus oder teilen einen Schlag aus, um dich aufzu­wecken. Das ist eine starke und direkte Art des Lehrens im Zen. Was also ist Zen? Es ist direktes Lehren.

Geist ist nicht innerhalb von dir. Geist ist auch Buddha. Tatsächlich ist alles Geist. Es ist nichts, was nur ich oder du oder die Menschen haben. Auch wenn das sehr merkwürdig klingt: Es bedeutet, du brauchst nicht zu denken. Weil du die ganze Zeit denkst, siehst du nicht. Denken macht dich blind. Denken ist wie eine zusätzliche Brille. Das ist es, was die Leute Karma nennen. Ich nenne es daher die „Karma-Brille“. Wegen der Karma-Brille kannst du die Wahrheit nicht sehen. Nimm einfach die Brille ab und du wirst die Wahrheit in großer Klarheit sehen.

Ich hatte diese Erfahrung. Nachdem ich (ohne mein Zutun) aufgewacht bin – nach einer Weile, etwa einigen Monaten – war, was immer ich sah, sehr klar, ob Dinge oder Leute auf der Straße. Du weißt, dass Firmen wie Samsung und LG heutzutage sehr gute TV-Geräte mit brillantem HDTV-Bild machen, sehr klar. Vorher habe ich nicht gesehen, dass alles so klar ist.

Zuvor war es so, dass ich – und ich denke nicht nur ich – die meiste Zeit etwas gesehen und sofort gedacht habe. D. h., du siehst nicht, auch wenn es so aussieht, weil du währenddessen an etwas anderes denkst. Dein Körper ist hier, aber dein Geist ist woanders. Was immer du siehst, ist nicht klar, weil die eine Hälfte von dir hier ist und die andere Hälfte woanders. Wie willst du so klar sehen?

Denke an die Babys. Wenn sie sehen, gibt es nur Sehen. Für Baby-Augen ist alles so klar und so aufregend. Da ist nicht mehr. Was du siehst, das ist alles. Das ist Buddha‘s Blick.

Ich mag warme Getränke, wie z. B. Caffè Americano. Aber ich bin sicher, einige Leute, wie meine Frau, mögen keine heißen Getränke. Also mit meiner Brille mag ich heißen Caffè Americano, aber mit ihrer Brille nicht. Es gibt nicht eine Tasse für alle Menschen.

Wir haben alle unterschiedliche Brillen, deshalb sagen alle Buddhas und Zen-Meister: Beurteile nicht! Weil wir nicht wissen. Zum Beispiel: Vorher mochte ich es, jetzt mag ich es nicht mehr. Vorher liebte ich es, jetzt nicht mehr. Was bedeutet, wir können nicht gut beurteilen.

Was ist gut und schlecht? Ja, ich mag Geld, aber ich mag nur die Vorderseiten der Geldmünzen, die Rückseiten nicht. Das geht nicht. Du kannst nur beide Seiten zusammen haben. Alles ist so. Alles. Die Sache ist die: Ob Münze oder Geldschein, wenn du sie/ihn nimmst, nimmst du sie/ihn als Ganzes, als Eines. Mache es einfach. Aber unsere Brillen und unser Karma machen es so kompliziert und lenken dich bzw. deinen Geist ab. D. h., du bist nicht hier.

Die Engländer drücken es klar aus: Wenn der Gesprächspartner beim Telefonieren nicht bei der Sache ist, sagen sie: „Where are you?“ (Wo bist du?). Das Gegenüber ist da, aber sein Geist ist woanders. Viele Leute, sogar solche, die keine Buddhisten sind und nicht nach Erleuchtung suchen, nutzen diese Phrase. Wie bizarr ist das: Ich sehe dich vor mir und du bist nicht da. Du bist da, aber ich kann dich nicht klar sehen.

Einige besondere Zen-Meister und spirituelle Lehrer sagen: Jetzt ist wichtig. Jetzt. Jede einzelne Sekunde ist: jetzt. Also sei hier!

 

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