Erleuchtung ist... 4-4
Lass es mich anders erklären: Es gibt ein Märchen von einem Baby, das im Dschungel ausgesetzt wird. Wölfe kümmern sich um das Baby und ziehen es groß. „Dschungelbuch“ ist der Name der Geschichte und der Name des Kindes ist Mogli. Es ist ein Mensch, aber es wächst in einer Wolfsfamilie auf. Es denkt, er sei ein Wolf. Es isst wie ein Wolf, schläft wie ein Wolf, verhält sich wie ein Wolf. Es glaubt, es sei ein Wolf. Und dann, eines Tages, finden ihn Menschen und sagen: „Oh, das arme Menschenkind lebt im Dschungel unter Wölfen, das ist gefährlich.“ Aber was braucht Mogli? Erziehung? Nach dem Motto: Er hat Angst, weil er glaubt, ein Wolf zu sein. Also genügt es, ihm zu sagen: „Nein, nein, du bist kein Wolf.“ Er wird es nicht glauben. Erziehung? Training? Zur Schule gehen und das Alphabet lernen? Was braucht er? Er muss nur erkennen: Ich bin Mensch. Das muss zuerst kommen, nicht das Training.
Jesus sagte zu den Menschen: „Vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Mogli weiß nicht, was er falsch macht. Er heult wie ein Wolf, isst wie ein Wolf, verhält sich wie ein Wolf, das ist normal für ihn und er hat keine Ahnung, was daran falsch sein soll. Er denkt: Du siehst aus wie ein Mensch, obwohl ich nicht genau weiß, wie ein Mensch aussieht, weil ich nie einen gesehen habe. Aber ich bin kein Mensch, ich bin ein Wolf. Also ist es ganz einfach: Er muss erkennen, wer er ist. Und erst später kommt Training dazu. Dieses Training hat keine Eile.
Ich liebe Märchen, die sind manchmal besser als die Bibel oder Sutren.
Ein anderes Beispiel ist die Geschichte vom hässlichen Schwan. Es ist eine ähnliche Situation. Ein Schwanenei landet bei einer Entenfamilie und wird dort ausgebrütet. Das Schwanenjunge wächst bei Enten auf. Dort, in der Enten-Welt, ist der Schwan hässlich, und er glaubt es auch: Ich bin so groß, ich sehe anders aus, ich klinge anders, irgendwie passe ich nicht zu ihnen. Was denkst du, braucht der Schwan? Bildung wird ihm nicht helfen. Weil er schon so lange eine schlechte Gewohnheit hat.
Buddha sagt: „Wir sind alle Buddhas.“ Wenn du ihm zu hundert Prozent glaubst, dann hast du es schon. Aber es ist nicht leicht. Deshalb sagt Buddha: „Wenn du mich im Traum siehst, töte mich.“ Wir sind alle dasselbe. Nur einmal erkennen, wer man ist. Das ist Kraft, eine kleine Kraft. Und später wird diese kleine Kraft größer und größer und größer. Das ist alles, wie es nach der Erleuchtung weitergeht.
Das ist sehr einfach. Da ist nicht mehr und nicht weniger. Du musst nur eins wissen: TOCK-TOCK. Ich mache keine Scherze. Das ist alles. Wie bizarr. Es ist und war bizarr. Aber es ist so, denn es kann keinen Namen haben, weil es keine Gestalt hat.
Ich werde die ganze Zeit dasselbe sagen. Und ich werde die ganze Zeit auf dasselbe zeigen. Ich zeige nicht auf Unterschiedliches. Nur das: TOCK-TOCK.
