Erleuchtung ist... 7-4
Ich rede sehr oft über unseren physischen Körper, unser Gehirn und unser Gehör. Damit verarbeiten wir Informationen, wie eine Maschine. Und bestimmt kann man in der Zukunft ein künstliches Ohr herstellen, mit dem man Taube wieder hören lassen kann. Wie bei einer Maschine. Unser Körper ist eine Art Werkzeug. Also was ist anders als bei einer Maschine, einem Roboter? Unsere Energie ist Essen. Ohne Essen können wir nicht leben. Für den Roboter ist das Essen Elektrizität. Ohne Strom kann ein Roboter sich nicht bewegen. Ein Roboter repariert, wir heilen. Wo ist der Unterschied? Und auch das Älterwerden. Wir werden älter, jetzt, jede Sekunde. Alle Dinge altern, nicht nur wir: Roboter, mein Mikrophon, meine Tasse, mein Computer, einfach alles. Nicht ein einziges Ding ist ausgenommen.
TOCK-TOCK. Das ist es, das ist alles. Wenn du es nicht verstehst, mit dem Verstand, dann lass es einfach. Aber das ist so schwierig. Daher musst du etwas haben, dessen du dir sicher sein kannst. Daher rede ich über Erleuchtung. Ein kleiner Moment der Erfahrung. Ja, es ist ein kleiner Moment. Die Leute machen nur eine große Sache daraus und erzählen Geschichten darüber. Ja, sie müssen das machen, weil alles, wirklich alles, daraus entsteht, sogar Gott, der Teufel und Buddha.
Wie schon gesagt, nach dem Erwachen musst du selbst Buddha vergessen. Da ist kein Buddha. Da ist nicht einmal so etwas wie Erleuchtung. Sie hat dann keine Bedeutung mehr. Das ist jenseits von Buddha.
Erleuchtung bedeutet aber nicht, dass ich eine höhere Stufe erreiche, sozusagen ein „Upgrade“ erfahre, nach dem Motto: Vorher war ich wie die meisten Menschen und jetzt bin ich auf einer höheren Stufe, ein Übermensch, wie Supermann. Ich weiß alles, kann durch alles hindurchsehen, alles erklären. Das hieße, dass da zwei verschiedene Dinge sind: hier Buddha und dort die anderen. Dieser Dummkopf war ich vorher, und jetzt bin ich kein Dummkopf mehr, sondern Buddha? Nein, so ist es nicht.
Es gibt folgenden Spruch von einem Zen-Meister: „Der Berg ist ein Berg und der Fluss ist ein Fluss. Etwas später: „Der Berg ist kein Berg und der Fluss ist kein Fluss“. Und noch später: „Der Berg ist ein Berg und der Fluss ist ein Fluss.“ Das ist es. TOCK-TOCK. Das ist es.
Der Zen-Meister ist ein Brecher, ein Traumbrecher. Ja, genau genommen führt der Zen-Weg in eine Richtung, die entgegengesetzt ist zu dem Weg der meisten Leute und der meisten Leben.
