Erleuchtung ist... 8-2

 




Es gibt keinen Gegner, der uns verwirrt. Nur ich verwirre mich, niemand sonst. Ein Beispiel: Angenommen ich mag jemanden nicht und möchte ihn daher weder sehen noch seine Stimme hören. Aber wenn er mich ruft, kann ich es hören. Wenn ich wirklich völlig unabhängig wäre und der ganze Körper gehörte ausschließlich mir und gehorchte mir, dann könnte ich meinem Körper einfach befehlen, dass ich diese Person nicht höre. Oder anders ausgedrückt: Du bist niemals komplett allein. Die ganze Zeit bist du mit etwas zusammen, ist etwas da. Als wenn du z. B. zusammen mit mir in einem dunklen Raum wärst. Deswegen habe ich vorhin gesagt, wir sind wie Roboter. Warum sind wir aufgeregt und warum fühlen wir Schmerz? Weil wir Emotionen haben. Das ist der Unterschied zu Robotern, denken wir. Aber es gibt keinen Unterschied. Denn ich selbst, das „Ich“, macht die Emotionen.

Ein Baby kennt anfangs kein „Ich“. Erst später, nachdem es älter geworden ist, erkennt es eines Tages sich selbst als „ich“ und „mein“. Und dann schaut es nach sich und seinen Wünschen: Wenn es etwas nicht mag oder nicht bekommt, dann schreit es. Weil es sich nicht gut anfühlt. Wegen des Ich. Das Ich sagt: „Ich langweile mich.“ Vorher langweilte sich das Baby nicht, sondern es lag auf dem Rücken und spielte mit seinen Füßen. Und ihm wurde dabei nicht langweilig. Weil es keine Zeit für das Baby gab. Aber wenn wir erwachsen werden, wenn das Ich ins Spiel kommt, ist alles anders.

Grundsätzlich definieren wir uns über unseren Körper. Einige Zen-Meister sagen dazu „Scheißsack“. Wir kümmern uns unser ganzes Leben lang um ihn und dann sterben wir. Alle Zen-Meister versuchen dir zu erklären, dass das nicht alles ist, dass das nicht wirklich du bist.

Frohe Dinge, traurige Dinge. Gute Grenze, schlechte Grenze. Das mag ich, das nicht. Das sind alles meine Grenzen, meine Unterscheidungen. Weil es Ich gibt. Deshalb unterscheide ich: Das ist gut für mich und das nicht. Ich bin eine Frau, ich bin ein Mann. Das ist schön, das ist schlecht.

Wir können das in unserem eigenen Leben prüfen: Wenn wir eine Tochter oder einen Sohn haben, wird sich unsere Meinung über sie ändern, sobald sie heiraten. Unsere Ratschläge für sie werden dann unterschiedlich sein: Sei vorsichtig, weil du ein Mann bist. Sei vorsichtig, weil du eine Frau bist. Solche Unterscheidungen treffen wir die ganze Zeit, je nachdem, was gerade vor uns auftaucht.

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